Wir brauchen dringend Antworten auf die Gesamtproblematik

Oberin Dr. Frauke Hartung stellt ergänzend zum ZDF-Interview von Generaloberin Gabriele

Müller-Stutzer klar, was neben mittelfristigen Maßnahmen auch kurzfristig zu tun ist, um den bestehenden Pflegenotstand zu begegnen.

 

 

Pflege geht uns alle an und ist inzwischen zu einem großen gesellschaftlichen Thema geworden. Auch im gesundheitspolitischen Berlin ist die Situation in den Pflegeberufen das derzeit beherrschende Thema. Bei der Suche nach Lösungsmöglichkeiten sollen unter anderem Pflegepersonaluntergrenzen, Geld für 13.000 zusätzliche Pflegestellen und die Anwerbung von Fachkräften im Ausland, Meilensteine zur Verbesserung der aktuellen Lage darstellen.

Ich teile die Auffassung der Generaloberin des Verbandes der Schwesternschaften vom DRK, Gabriele Müller-Stutzer, die im ZDF-Interview am 13. August davon sprach, dass mittelfristig auch diese Maßnahmen zu einer Verbesserung der zunehmend angespannten Lage in der Pflege führen können. Bevor wir aber mittelfristig denken, müssen wir dringend kurzfristige Antworten finden. Ich spreche jeden Tag mit Kolleginnen und Kollegen, die seit vielen Jahren in der Pflege tätig sind. Sie kommen zunehmend an ihre körperlichen Grenzen und sehen die Sinnhaftigkeit ihres Tuns nicht mehr. Das macht mir große Sorgen. Weil es genau die Kolleginnen und Kollegen sind, die sich mit einer hohen Motivation und Entschlossenheit für einen Pflegeberuf entschieden haben und die seit vielen Jahren die Leistungsträger unserer Einrichtungen sind. Es sind die Kolleginnen und Kollegen, die wir nicht verlieren dürfen. Für sie brauchen wir jetzt Lösungen zur Unterstützung, da wir für sie eine große Verantwortung tragen. Viele Pflegende berichten mir, dass sie vor allem an den Rahmenbedingungen und an der Tatsache kranken, dass sie den pflegebedürftigen Menschen nicht mehr gerecht werden können. Teilweise müssen sie Anfragen nach Pflege ablehnen, weil schon heute die bereits vorhandenen Pflegeplanstellen nicht mehr besetzt werden können. Wie sollen wir dann 13.000 zusätzliche Planstellen besetzen? Es kommt nicht überraschend, dass sich die Situation heute so darstellt. Unsere Berufsverbände weisen seit Jahren auf die sich kontinuierlich zuspitzende Situation hin und haben lange in der Politik kein Gehör gefunden.
Wir brauchen dringend Antworten auf die Gesamtproblematik, die vor allem die jetzt in der Pflege tätigen Kolleginnen und Kollegen dabei unterstützen, ihre Vorstellung einer angemessenen und professionell hochwertigen Pflege in ihrer täglichen Arbeit umsetzen zu können. Und wir müssen dringend nach Lösungen suchen, damit Pflegenden angemessene Ruhezeiten, eine zuverlässige Dienstplangestaltung und planbares Frei zugesagt werden können.

 

Kontakt

Gabriele Wenz
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