Phil  Baumgarten: Mit Engagement und Resilienz in neuer Verantwortung

Phil  Baumgarten: Mit Engagement und Resilienz in neuer Verantwortung
Ein Interview mit dem Pflegedienstleiter des Eduardus Krankenhauses.

Als junger, noch ungelernter Mitarbeiter aus dem Sanitätsdienst der Bundeswehr übernahm Phil Baumgarten bereits Nachtdienste in einem Altenheim – teils allein für 120 Bewohner:innen. So musste er schon früh lernen, Verantwortung zu tragen und Entscheidungen zu treffen. Diese Erfahrung auf vielen verschiedenen Fachabteilungen sowie sein weiterer Werdegang vom Praxisanleiter über Leitstellenkoordinator bis hin zu leitender Funktion in zwei Rehabilitationseinrichtungen und im Akutkrankenhaus sowie seine Ausbildung zum Resilienztrainer und -coach haben seine Perspektive auf Führung und Herausforderungen nachhaltig beeinflusst.

Mit seinem Eintritt in die DRK-Schwesternschaft und seiner neuen Aufgabe als Pflegedienstleiter im Eduardus Krankenhaus betritt er seit Juli 2024 bewusst auch neues Terrain. Wir haben ihn zu seinen bisherigen Erfahrungen befragt.

Name: Phil  Baumgarten
Alter: 59 Jahre
Aktuelle Position: Pflegedienstleiter Eduardus Krankenhaus gGmbH Köln
Seit wann in dieser Funktion: Juli 2024

Ein Satz, der mich beschreibt: Optimistisch, humorvoll, empathisch, Lösungsorientiert, neugierig, immer an der Angst entlang.

Was macht für Sie den Reiz und die Verantwortung der Position als Pflegedirektor aus?
Die Vielseitigkeit ist für mich entscheidend. Ich kann Abläufe mitgestalten, mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten und sie begleiten. Kommunikation und lösungsorientiertes Denken spielen dabei eine große Rolle. Natürlich gehört auch dazu, mit Druck umzugehen und gemeinsam im Team tragfähige Lösungen zu finden.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?
Ich würde ihn als kooperativ bis transformational beschreiben. Der Mensch und mein Team stehen für mich im Mittelpunkt. Mir ist wichtig, Verantwortung zu teilen, offen und empathisch zu führen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig gehört für mich auch dazu, Orientierung zu geben, Mitarbeitende zu fördern und klare Grenzen und Leitplanken zu setzen.

Welche Rahmenbedingungen brauchen Pflegeteams aus Ihrer Sicht, um gute Arbeit leisten zu können?
Vertrauen ist eine wesentliche Grundlage. Dazu kommen klare Strukturen, Wertschätzung und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit anderen Berufsgruppen. Außerdem brauchen Pflegeteams die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und mitzugestalten.

Welche Rolle spielt für Sie die Schwesternschaft als Arbeitgeber und Netzwerk?
Sie ist für mich eine starke Gemeinschaft und bietet mir die Möglichkeit, mich berufspolitisch zu engagieren, Position zu beziehen und die Profession Pflege aktiv zu stärken.

Was unterscheidet die Arbeit in einer leitenden Position aus Ihrer Sicht von der direkten Pflegepraxis?
Meine wichtigste Erkenntnis ist: Wer gut pflegen kann, ist nicht automatisch eine gute Führungskraft. Führung muss man lernen. In leitenden Positionen geht es darum, viele Widersprüche auszuhalten und unterschiedliche Anforderungen miteinander in Einklang zu bringen.

Wo sehen Sie aktuell die größten Hebel, um die Pflege nachhaltig zu stärken?
Ein zentraler Punkt ist das berufspolitische Engagement, insbesondere durch Pflegekammern. Darüber hinaus müssen sich die Arbeitsbedingungen deutlich verbessern.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, die Ihren Blick auf die Pflege nachhaltig verändert haben?
Vor allem meine frühen Erfahrungen haben mich geprägt, etwa die Verantwortung in jungen Jahren im Nachtdienst oder auch spätere Führungsaufgaben. Da ich in der Zeit wenig Unterstützung erhalten habe, bin ich oft gescheitert, weil mir die nötigen Instrumente zum Führen fehlten. Diese zum Teil sehr heftigen Erlebnisse haben mir gezeigt, wie wichtig gute Rahmenbedingungen, klare Strukturen und gegenseitige Unterstützung sind.

Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen im Krankenhaus besonders wichtig?
Dass Pflegekräfte auf Augenhöhe mit anderen Disziplinen arbeiten und sich ihrer eigenen Kompetenz bewusst sind.

Welche Entwicklungen im Gesundheitswesen beobachten Sie derzeit mit besonderem Interesse oder auch mit Sorge?
Ich sehe mit Sorge, dass viele Reformen an den großen Akteuren im System vorbeigehen. Aus meiner Sicht braucht es grundlegende Veränderungen, z.B. bei der Finanzierung, der Rolle der Privatversicherung oder den Strukturen der Krankenkassen. Gleichzeitig muss die Pflege deutlich stärker berücksichtigt werden. Menschen dürfen verstehen und spüren, dass (gute) Pflege finanzielle Ressourcen braucht.

Wenn Sie einen Wunsch für die Zukunft der Pflege frei hätten – welcher wäre das?
Ich wünsche mir eine selbstbewusste, politisch starke Pflege, die über Kammern dauerhaft vertreten ist.  Außerdem wünsche ich mir mehr Zusammenhalt unter Pflegekräften und den Mut, die eigenen Kompetenzen weiterzuentwickeln und selbstbewusst einzubringen.

Vielen Dank für das Gespräch.